„Die Kassierer sind der einzige gesellschaftliche Grundkonsenz“

Seit inzwischen 35 Jahren gibt es die Punkband Die Kassierer aus Wattenscheid. Erstaunlich ist, dass eine Band, deren größte Hits „Sex mit dem Sozialarbeiter“, „Das Schlimmste, ist wenn das Bier alle ist“ oder „Blumenkohl am Pillemann“ heißen und deren Konzerte für (homo-)sexuelle Freizügigkeit bekannt geworden sind, Begeisterung und Zustimmung in allen Gesellschaftsschichten besetzt. Wirklich so erstaunlich? Nein, eigentlich nicht. Denn wer der Band um Sänger Wolfgang Wendland, auch genannt Wölfi, mal genau zuhört, entdeckt ihren subtilen intellektuellen Gehalt schnell. Und dann wundert man sich auf einmal nicht mehr, dass auch die Hochkultur das Schaffen der Kassierer schätzt, die im Frühjahr schon zum zweiten Mal am Theater Dortmund mit einem eigenen Stück vertreten sein werden und die bereits 1997 ein Album mit Coverversionen des österreichischen Liedermachers Georg Kreisler („Taubenvergiften im Park“) herausbrachte. Hilfreich ist sicherlich auch, dass ihr musikalisches Repertoire über einfachen Rumpelpunk hinaus reicht und u.a. auch Jazz und Chanson umfasst.

In seiner Dokumentation „Punk im Alter“ erzählt Olaf Ballnus die Geschichte der Band, die zwei Indizierungsverfahren in den Neunzigern erfolgreich überstand und heute als eine der wenigen Gruppen den überstrapazierten Stempel „Kult“ zurecht trägt. Ballnus ist bereits vor Punk (um genau zu sein seit 1975) mit Wolfgang Wendland befreundet. Beide drücken gemeinsam in Bochum die Schulbank und betreiben 1982 kurzzeitig ein Programmkino in Bochum-Langendreer. Wendland wird dann Rockstar, Ballnus Fotograf. Wendland lebt immer noch in Wattenscheid, Ballnus seit diesem Jahr auf Mallorca. 2016 brachte er seine Kassierer-Dokumentation heraus, die nun erstmalig in Berlin präsentiert wird. Olaf Ballnus brachte außerdem den Fotoband „superreal_punk“ heraus, der nicht im Buchhandel und erst recht nicht bei Amazon erhältlich ist, sondern nur über Ballnus selbst und an wenigen ausgewählten Orten. Wir freuen uns, an diesem Abend einige Exemplare von „superreal_punk“ anbieten zu können. Doch wenn sie nicht die Katze im Sack kaufen wollen, können Sie sich hier ein paar Fotos ansehen: https://www.olafballnus.de/superreal-punk/

Ebenfalls anwesend sein wird an diesem Abend Kassierer-Sänger Wolfgang Wendland, der nach dem Film mit Lars Dreiucker von Sprechsaal über Vieles, aber nicht die Vergangenheit sprechen wird.

Der Eintritt ist frei.

Punk im Alter – Die Kassierer | 2016 | 51 Min

Berlin-Premiere

Idee/Regie/Kamera: Olaf Ballnus

Schnitt: Johannes Wißmann

Musik: Die Kassierer u.a.

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